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07 — Wissen

Ab welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel?

Die Frage nach dem einen Grenzwert ist verständlich, führt aber oft in die Irre. Ein Hygrometer im Wohnzimmer zeigt 58 Prozent, und trotzdem schimmelt die Ecke hinter dem Kasten. Der Grund liegt darin, wo gemessen wird und wie lange ein Wert anhält.

Fachlich geprüft, Stand 28. September 2026. Gilt für Bestandsobjekte in Wien und Niederösterreich.

Welcher Wert ist für Schimmel wirklich entscheidend?

In der Bauphysik gilt eine relative Feuchte von rund 80 Prozent an der Bauteiloberfläche über mehrere Tage als der Bereich, ab dem mit Schimmelwachstum zu rechnen ist. Dieser Wert bezieht sich ausdrücklich auf die Oberfläche der Wand, der Fensterlaibung oder der Decke — nicht auf die Luft in der Mitte des Raumes.

Häufig liest man, die Raumluft solle 60 Prozent nicht dauerhaft überschreiten. Beide Aussagen widersprechen sich nicht. Die 60 Prozent in der Raumluft sind eine Faustregel dafür, dass an den kältesten Stellen des Raumes die 80 Prozent an der Oberfläche in der Regel nicht erreicht werden. Wie groß der Unterschied zwischen Raumluft und Wandoberfläche tatsächlich ist, hängt vom Gebäude ab.

In der Praxis zeigt sich deshalb: Ein Raumwert allein sagt wenig, solange niemand weiß, wie kalt die kritischste Stelle im Raum ist.

Warum ist es an der Wand feuchter als in der Raumluft?

Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Prozent der möglichen Wasserdampfmenge die Luft gerade enthält. Wie viel Wasserdampf möglich ist, hängt an der Temperatur: Warme Luft nimmt mehr auf, kalte weniger. Kühlt dieselbe Luft ab, bleibt die Wassermenge gleich, die relative Feuchte aber steigt.

Genau das passiert an einer kalten Außenwand. Die Raumluft hat vielleicht 21 °C und 55 Prozent. Direkt an einer Außenecke, an der die Oberfläche nur 15 °C erreicht, kühlt sich die Luftschicht ab, und die relative Feuchte an dieser Stelle klettert in den Bereich um 80 Prozent. Niemand hat dafür zusätzlich Wasser in den Raum gebracht; es ist allein die kältere Oberfläche.

Sinkt die Oberflächentemperatur weiter bis zum Taupunkt, schlägt sich Wasser sichtbar nieder. Schimmel braucht dieses sichtbare Kondensat aber nicht — ihm genügt die dauerhaft hohe Feuchte an der Oberfläche, lange bevor Tropfen zu sehen sind.

MessortWas der Wert aussagtEignung für das Schimmelrisiko
Raumluft in der ZimmermitteAllgemeines Raumklima, KomfortNur als grober Anhaltspunkt
Wandoberfläche an einer AußeneckeFeuchte an der kältesten StelleAussagekräftig, wenn über längere Zeit gemessen
Fensterlaibung oder Bereich hinter MöbelnFeuchte dort, wo Luft schlecht zirkuliertAussagekräftig, typische Befallsstelle
Welche Stellen in einem konkreten Objekt kritisch sind, klärt die Begehung vor Ort.

Warum zählt die Dauer mehr als der Spitzenwert?

Schimmelsporen sind in jeder Wohnung vorhanden. Damit aus ihnen ein Befall wird, brauchen sie über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit an der Oberfläche. Ein Badezimmer, das nach dem Duschen eine Stunde lang über 80 Prozent liegt und danach wieder abtrocknet, ist ein anderer Fall als eine Schlafzimmerecke, die den ganzen Winter nicht unter diesen Wert kommt.

Deshalb ist eine einzelne Ablesung wenig aussagekräftig. Wer um 8 Uhr früh misst, sieht die Nacht mit geschlossenem Fenster; wer am Nachmittag misst, sieht einen gelüfteten Raum. Erst ein Verlauf über Tage und Wochen zeigt, ob hohe Werte sich abbauen oder stehen bleiben.

Worauf es bei der Beurteilung ankommt

  • Wo gemessen wird: an der kältesten Oberfläche, nicht in der Raummitte
  • Wie lange hohe Werte anhalten: Stunden sind normal, Tage sind kritisch
  • Wie groß der Abstand zwischen Oberflächentemperatur und Taupunkt ist
  • Ob sich hohe Werte nach dem Lüften wieder abbauen

Ist der kritische Wert im Altbau ein anderer als im Neubau?

Der bauphysikalische Richtwert an der Oberfläche bleibt derselbe. Was sich unterscheidet, ist der Weg dorthin. In einem gut gedämmten Neubau liegen die Innenoberflächen der Außenwände nur wenig unter der Raumtemperatur. Die Feuchte an der Wand ist dort kaum höher als in der Raumluft, und selbst etwas höhere Raumwerte bleiben an der Oberfläche meist unkritisch.

Im ungedämmten Bestand, wie er in Wien und Niederösterreich in vielen Gründerzeit- und Nachkriegsbauten vorkommt, ist das anders. Außenwände, Ecken und Deckenanschlüsse können im Winter deutlich kälter sein als der Raum. Dieselbe Raumluft, die im Neubau unauffällig wäre, erreicht hier an der Oberfläche den kritischen Bereich. Deshalb lässt sich ein Richtwert für die Raumluft nicht ohne Weiteres von einem Gebäude auf ein anderes übertragen.

Hinzu kommt der Zeitpunkt: Kritisch wird es vor allem in längeren Kälteperioden, wenn die Außenwände über Tage auskühlen. Wer im Herbst misst und unauffällige Werte sieht, kann daraus nicht schließen, dass der Winter ebenso verläuft.

Wie misst man das Schimmelrisiko richtig?

Ein einfaches Hygrometer auf dem Regal ist ein guter Einstieg, um ein Gefühl für das Raumklima zu bekommen. Für die Frage, ob eine bestimmte Ecke gefährdet ist, reicht es nicht: Es misst am falschen Ort und nur, wenn jemand hinsieht.

Aussagekräftiger ist ein Messpunkt direkt an der kritischen Stelle, der Temperatur und relative Feuchte in kurzen Abständen aufzeichnet und daraus den Taupunkt berechnet. So wird sichtbar, wie nahe die Oberfläche an Kondensat kommt und wie lange dieser Zustand anhält.

San-Care setzt dafür in Bestandsobjekten in Wien und Niederösterreich batteriebetriebene Messpunkte ein, die alle 15 Minuten Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt erfassen und eine Schimmelrisiko-Einstufung liefern. Das Standardsystem misst das Raumklima an der Oberfläche, nicht die Materialfeuchte im Inneren des Bauteils. Wo diese Frage im Raum steht, prüft San-Care auf Anfrage, ob eine angepasste Messung mit Materialfeuchte-Sonden machbar ist, und baut sie gemeinsam mit dem Entwicklungspartner smartenic auf.

Was tun, wenn die Werte dauerhaft hoch sind?

Zeigt die Messung über mehrere Tage hohe Werte an einer Stelle, ist das ein Signal, genauer hinzusehen — kein Urteil über die Ursache. Möglich sind ein erhöhter Feuchteeintrag durch die Nutzung, eine Wärmebrücke im Bauteil, zu wenig Luftbewegung hinter Möbeln oder ein Wasserschaden.

Welche Ursache im Einzelfall vorliegt, beurteilt die fachliche Prüfung vor Ort. Eine durchgehende Messreihe liefert ihr dafür die Datengrundlage: wann die Werte gestiegen sind, wie lange sie hoch blieben und ob sie mit der Außentemperatur oder mit dem Tagesablauf zusammenhängen.

Begriffe in diesem Text

Kurz erklärt.

Kritische Oberflächenfeuchte
Der in der Bauphysik übliche Richtwert, ab dem an einer Bauteiloberfläche mit Schimmelwachstum zu rechnen ist: rund 80 Prozent relative Feuchte über einen längeren Zeitraum.
Relative Luftfeuchtigkeit
Der Anteil an Wasserdampf in der Luft, angegeben in Prozent dessen, was die Luft bei dieser Temperatur maximal aufnehmen kann.
Oberflächentemperatur
Die Temperatur der Wand- oder Bauteiloberfläche selbst, die deutlich unter der Temperatur der Raumluft liegen kann.
Sättigung
Der Zustand, in dem die Luft bei ihrer aktuellen Temperatur keinen weiteren Wasserdampf mehr aufnehmen kann.
Schimmelsporen
Winzige Keime, über die sich Schimmelpilze verbreiten und die in praktisch jeder Innen- und Außenluft vorkommen.
Hygrometer
Ein Messgerät, das die relative Luftfeuchtigkeit anzeigt, meist zusammen mit der Temperatur.

Vollständiges Glossar

Häufige Fragen

Was dazu gefragt wird.

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Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.

Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.

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rasch und persönlich
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keine Kamera, kein Mikrofon
Bewohner
Zustimmung vorausgesetzt
Gebiet
Wien & Niederösterreich