82 — Wissen
Heizkosten sparen ohne Schimmel: Wie weit man die Heizung absenken kann
Heizen ist teuer, und jedes Grad weniger klingt nach einer einfachen Sparmaßnahme. Im Bestand hat sie aber eine Kehrseite, die man erst sieht, wenn sich in der Ecke dunkle Flecken bilden.
Was passiert beim Absenken der Raumtemperatur?
Die Feuchte, die im Alltag entsteht, bleibt gleich, egal wie warm der Raum ist. Kühlere Luft kann aber weniger Wasserdampf aufnehmen; bei gleicher Wassermenge steigt deshalb die relative Feuchte. Gleichzeitig kühlen die Wände ab, an Außenecken und Laibungen stärker als in der Fläche.
Ein Rechenbeispiel: Raumluft mit 21 °C und 50 Prozent hat einen Taupunkt von rund 10 °C. Kühlt dieselbe Luft ohne Lüften auf 17 °C ab, steigt die relative Feuchte auf rund 64 Prozent. Hat eine Außenecke bei 21 °C Raumtemperatur 14 °C, liegt sie an der Oberfläche bei rund 78 Prozent. Sinkt sie mit dem kühleren Raum auf 11 °C, kommt sie auf rund 95 Prozent.
Worauf sollte man beim Sparen achten?
Wie weit man gehen kann, ist eine Frage des Gebäudes. In einem thermisch sanierten Haus bleiben die Wandoberflächen auch bei etwas niedrigerer Raumtemperatur warm. Im ungedämmten Gründerzeit- oder Nachkriegsbau sind Ecken und Deckenanschlüsse schon bei normaler Heizung kalt; jede Absenkung verringert den Spielraum dort weiter.
Sparen mit Augenmaß
- Lieber alle Räume moderat beheizen als einzelne ganz kalt lassen
- Türen zwischen warmen und kühlen Räumen geschlossen halten, damit feuchte Luft nicht in den kalten Raum zieht
- Nacht- und Abwesenheitsabsenkung moderat einstellen, nicht auf Frostschutz
- Nach dem Absenken nicht seltener lüften — die Feuchte muss weiterhin hinaus
- Heizkörper frei halten, nicht mit Möbeln oder Vorhängen verdecken
- Kalte Ecken und Bereiche hinter Kästen im Winter regelmäßig ansehen
Was gilt für selten genutzte Räume?
Das Gästezimmer oder das Schlafzimmer ungeheizt zu lassen, spart zunächst Energie. Gelangt aber feuchte Luft aus der übrigen Wohnung in diesen Raum, schlägt sie sich an den kalten Wänden nieder. Typisch ist Schimmel, der sich im kalten Schlafzimmer hinter dem Kasten zeigt, obwohl dort kaum jemand duscht oder kocht.
Wer einen Raum kühl hält, sollte die Tür geschlossen halten und ihn trotzdem regelmäßig lüften. Ob das ausreicht, zeigt sich an der kältesten Stelle des Raums.
Wie zeigt eine Messung, ob die Absenkung passt?
Der Taupunktabstand an der kältesten Stelle ist die Größe, die über das Risiko entscheidet: der Abstand zwischen Oberflächentemperatur und Taupunkt der Raumluft. Wird er bei abgesenkter Heizung über Tage knapp, ist die Absenkung an dieser Stelle zu weit gegangen.
San-Care misst Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit alle 15 Minuten an den kritischen Stellen, die Plattform berechnet daraus Taupunkt und Abstand. Für Hausverwaltungen in Wien und Niederösterreich ist das vor allem in Objekten interessant, in denen Bewohner stark sparen und gleichzeitig Schimmelmeldungen eingehen. Gemessen wird das Raumklima, nicht das Verhalten einzelner Personen.
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Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Heizverhalten
- Die Art, wie Räume beheizt werden — welche Räume, wie warm und wie stark die Temperatur zeitweise abgesenkt wird.
- Oberflächentemperatur
- Die Temperatur der Wand- oder Bauteiloberfläche selbst, die deutlich unter der Temperatur der Raumluft liegen kann.
- Taupunktabstand
- Der Abstand zwischen der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt — je kleiner er ist, desto näher ist die Stelle an Kondenswasser.
- Kritische Oberflächenfeuchte
- Der in der Bauphysik übliche Richtwert, ab dem an einer Bauteiloberfläche mit Schimmelwachstum zu rechnen ist: rund 80 Prozent relative Feuchte über einen längeren Zeitraum.
- Wärmebrücke
- Eine Stelle im Bauteil, an der Wärme schneller nach außen abfließt als daneben — die Oberfläche bleibt dort kälter.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
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