Zum Inhalt springen

51 — Wissen

Luftentfeuchter: wann er hilft und wann er nur verdeckt

Ein Luftentfeuchter ist schnell gekauft und zeigt sofort Wirkung: Der Wasserbehälter füllt sich, die Anzeige fällt. Ob damit das eigentliche Problem gelöst ist, ist eine andere Frage — und die Antwort hängt davon ab, woher die Feuchte kommt.

Fachlich geprüft, Stand 28. September 2026. Gilt für Bestandsobjekte in Wien und Niederösterreich.

Was macht ein Luftentfeuchter eigentlich?

Ein Luftentfeuchter entzieht der Raumluft Wasserdampf und sammelt ihn als Wasser in einem Behälter oder leitet es über einen Schlauch ab. Er senkt damit die Feuchte der Luft im Raum. Er ändert nichts daran, woher die Feuchte kommt, und er macht eine kalte Wand nicht wärmer.

Für den Hausgebrauch gibt es im Wesentlichen drei Bauarten, die sich in Einsatzbereich und Leistung deutlich unterscheiden.

BauartArbeitsweiseGeeignet für
KompressorgerätKühlt Luft an einer kalten Fläche ab, das Wasser kondensiert dortBeheizte Räume, Wäschetrocknen; in kühlen Räumen deutlich weniger Leistung
AdsorptionsgerätEin Trockenmittel nimmt die Feuchte auf und wird im Gerät wieder getrocknetAuch kühle Räume wie Keller oder Garage; höherer Stromverbrauch
Granulat- oder Salzbox ohne StromSalz bindet Feuchte aus der Luft und löst sich dabeiKleine, geschlossene Räume wie Kasten oder Abstellraum; sehr geringe Leistung
Allgemeine Einordnung der Bauarten. Leistung und Verbrauch eines konkreten Geräts stehen in den Herstellerangaben.

Wann ist ein Luftentfeuchter sinnvoll?

Sinnvoll ist er überall dort, wo Feuchte in einen Raum kommt, die sich durch Lüften nicht oder nur schlecht abführen lässt, und wo die Ursache bekannt ist.

  • Wäschetrocknen in einem Raum ohne Fenster oder ohne ausreichende Abluft
  • Keller und Souterrain im Sommer, wenn warme Außenluft an kühlen Wänden kondensiert und Lüften am Tag die Lage verschlechtert
  • Neubau oder frisch sanierte Räume, in denen Baufeuchte aus Estrich und Putz abgeführt werden muss
  • Nach einem Wasserschaden als Teil einer technischen Trocknung, die von Fachleuten geplant und überwacht wird
  • Leerstehende oder selten genutzte Räume, die nicht regelmäßig gelüftet werden können

Wann hilft ein Luftentfeuchter nicht?

Ein Luftentfeuchter senkt die Feuchte im Raum. Liegt das Problem an einer einzelnen kalten Stelle, zum Beispiel einer Außenecke mit Wärmebrücke, bleibt diese Stelle kälter als der Rest des Raumes. Die Raumluft sieht dann gut aus, die Ecke kann trotzdem kritisch bleiben. Das Gerät behandelt den Raum, nicht die Stelle.

Bei Wasser, das in das Bauteil gelangt, ist ein Entfeuchter sogar irreführend. Aufsteigende Feuchte im Mauerwerk, ein Leitungsschaden oder eindringender Schlagregen liefern ständig neues Wasser nach. Das Gerät zieht es aus der Wand in den Behälter, die Anzeige wirkt beruhigend, und die Ursache bleibt unentdeckt. Ein Behälter, der sich Woche für Woche gleich schnell füllt, ist in so einem Fall ein Warnsignal.

Im Winter ist in einer normal genutzten Wohnung Lüften meist wirksamer und billiger: Kalte Außenluft ist trocken, wird im Raum erwärmt und nimmt dabei viel Feuchte auf. Ein Entfeuchter statt Lüften senkt zwar die Feuchte, aber nicht Gerüche und den Kohlendioxidgehalt der Luft.

Worauf sollte man beim Einsatz achten?

Ein Entfeuchter wirkt nur im Raum, in dem er steht, und nur bei geschlossenen Fenstern und Türen. Wer ihn einsetzt, sollte die Raumfeuchte mit einem Hygrometer im Blick behalten und nicht dauerhaft auf sehr niedrige Werte entfeuchten; als Orientierung für Wohnräume gelten etwa 40 bis 60 Prozent. Die Abwärme des Geräts erwärmt den Raum etwas, der Stromverbrauch sollte bei längerem Betrieb mitgerechnet werden.

Bei bereits sichtbarem, größerem Schimmelbefall ist Vorsicht geboten: Der Luftstrom kann Sporen im Raum verteilen. Dann steht die fachliche Klärung und Sanierung am Anfang, nicht das Gerät.

In der Praxis zeigt sich außerdem, dass ein Entfeuchter oft dort landet, wo er am wenigsten bringt: im Wohnzimmer, während die kritische Ecke im kühlen Schlafzimmer liegt. Das Gerät gehört in den Raum mit dem Problem, und die Tür zu diesem Raum bleibt während des Betriebs geschlossen. Wer es nur zeitweise laufen lässt, sollte es vor allem nach feuchten Tätigkeiten wie Duschen oder Wäschetrocknen einschalten, nicht zufällig über den Tag verteilt.

Ein letzter Punkt betrifft Mietwohnungen: Kommt ein Entfeuchter nur deshalb zum Einsatz, weil eine Wand immer wieder feucht wird, ist das ein Grund, die Hausverwaltung zu informieren. Ein Gerät, das die Symptome dämpft, sollte die Klärung der Ursache nicht ersetzen.

Wie erkennt man, ob der Entfeuchter das Problem löst?

Die Anzeige am Gerät misst die Luft am Gerät, nicht an der kritischen Wand. Aussagekräftig ist ein Messpunkt an der kältesten Stelle des Raumes, der vorher und während des Betriebs misst. Sinkt dort die Feuchte an der Oberfläche dauerhaft unter den kritischen Bereich, wirkt das Gerät. Bleibt sie hoch, liegt die Ursache woanders.

San-Care misst in Wien und Niederösterreich im Auftrag von Hausverwaltung oder Eigentümer Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt alle 15 Minuten und dokumentiert den Verlauf. Im Monatsreport wird sichtbar, ob sich die Werte nach einer Maßnahme wie einem Entfeuchter tatsächlich verbessert haben. Ob Feuchte im Mauerwerk selbst steckt, beantwortet die Raumklima-Messung nicht; dafür braucht es eine Materialfeuchtemessung durch die fachliche Prüfung.

Begriffe in diesem Text

Kurz erklärt.

Relative Luftfeuchtigkeit
Der Anteil an Wasserdampf in der Luft, angegeben in Prozent dessen, was die Luft bei dieser Temperatur maximal aufnehmen kann.
Sommerkondensation
Feuchte, die sich im Sommer in kühlen Räumen wie Kellern niederschlägt, wenn warme, wasserreiche Außenluft an kalten Wänden abkühlt.
Wärmebrücke
Eine Stelle im Bauteil, an der Wärme schneller nach außen abfließt als daneben — die Oberfläche bleibt dort kälter.
Aufsteigende Feuchte
Wasser aus dem Erdreich, das in einer Wand ohne wirksame Sperre durch die feinen Poren des Mauerwerks nach oben wandert.
Technische Trocknung
Das gezielte Entfeuchten von Räumen und Bauteilen mit Geräten wie Luftentfeuchtern oder Gebläsen nach einem Wasserschaden.
Materialfeuchte
Die Menge Wasser, die in einem Baustoff selbst steckt, etwa in Mauerwerk, Putz oder Estrich, im Unterschied zur Feuchtigkeit der Raumluft.
Hygrometer
Ein Messgerät, das die relative Luftfeuchtigkeit anzeigt, meist zusammen mit der Temperatur.

Vollständiges Glossar

Häufige Fragen

Was dazu gefragt wird.

Nächster Schritt

Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.

Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.

Antwort
rasch und persönlich
Im Gerät
keine Kamera, kein Mikrofon
Bewohner
Zustimmung vorausgesetzt
Gebiet
Wien & Niederösterreich