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26 — Wissen

Ein Messprotokoll zu Temperatur, Luftfeuchte und Taupunkt lesen

Ein Messprotokoll ist schnell übermittelt und langsam verstanden. Tausende Zeilen mit Zahlen sagen wenig, solange man nicht weiß, in welcher Reihenfolge man sie liest. Dieser Text erklärt die Spalten, die Lesereihenfolge und die typischen Muster.

Fachlich geprüft, Stand 28. September 2026. Gilt für Bestandsobjekte in Wien und Niederösterreich.

Was in einem Messprotokoll steht

Ein Protokoll zum Raumklima besteht aus Zeilen, und jede Zeile ist ein Messzeitpunkt an einem Messpunkt. Die Spalten sind fast immer dieselben: wann, wo, wie warm, wie feucht und was daraus rechnerisch folgt.

Die Tabelle unten zeigt Beispielzeilen. Es sind gerundete Rechenwerte zur Veranschaulichung, keine Messdaten aus einem echten Objekt. Der Taupunkt ist aus Temperatur und relativer Feuchte berechnet, der Taupunktabstand ist die Differenz zwischen gemessener Temperatur und Taupunkt.

ZeitstempelTemperaturRel. FeuchteTaupunktTaupunktabstand
07:0020,0 °C50 %rund 9,3 °Crund 10,7 K
07:1520,0 °C60 %rund 12,0 °Crund 8,0 K
07:3018,0 °C70 %rund 12,4 °Crund 5,6 K
07:4516,0 °C80 %rund 12,6 °Crund 3,4 K
08:0015,0 °C85 %rund 12,5 °Crund 2,5 K
Beispielzeilen, gerundet, zur Erklärung der Spalten. Der Taupunkt ist mit einer üblichen Näherungsformel berechnet. Die Einordnung im Objekt hängt von Bauteil, Nutzung und Dauer ab.

Schritt eins: den Rahmen prüfen, bevor man Werte liest

Bevor ein einzelner Wert interpretiert wird, muss klar sein, woher er kommt. Die häufigsten Fehlinterpretationen entstehen nicht aus falschen Zahlen, sondern aus fehlendem Kontext.

Besonders wichtig sind die Lücken. Ein Protokoll, das über Wochen keine einzige fehlende Zeile hat, ist nicht automatisch besser als eines mit ausgewiesenen Lücken. Entscheidend ist, dass fehlende Werte als fehlend erkennbar sind und nicht durch berechnete Zwischenwerte ersetzt wurden. Eine glatte Kurve über einen Ausfall hinweg sieht sauber aus, ist aber an dieser Stelle keine Messung.

Vier Fragen vor dem ersten Blick auf die Kurve

  • Wo sitzt der Messpunkt: an einer Außenecke, in der Fensterlaibung, in der Raummitte, hinter einem Möbel?
  • Welcher Zeitraum ist abgedeckt, und enthält er eine Heizperiode?
  • Wie ist das Messintervall, und sind Lücken sichtbar ausgewiesen oder rechnerisch aufgefüllt?
  • Gibt es einen Vergleichspunkt in einem unauffälligen Raum desselben Gebäudes?

Schritt zwei: den Verlauf lesen, nicht den Einzelwert

Ein einzelner Wert von 75 Prozent relativer Feuchte sagt wenig. Entscheidend ist, wie er zustande kam und wie lange er anhielt. Deshalb liest man ein Protokoll als Kurve über Tage und Wochen, nicht als Liste.

Nutzung zeigt sich als tägliches Muster: Spitzen morgens und abends, die sich innerhalb weniger Stunden wieder abbauen. Ein kaltes Bauteil zeigt sich anders: Die Temperatur am Messpunkt sinkt mit der Außentemperatur, die relative Feuchte steigt entsprechend, und der Taupunktabstand bleibt über Tage klein, ohne sich nachts oder tagsüber wesentlich zu erholen. Feuchte, die aus einem Bauteil oder einer Leitung kommt, zeigt häufig anhaltend hohe Werte ohne erkennbaren Tagesrhythmus, auch in der warmen Jahreszeit.

Hilfreich ist auch die absolute Luftfeuchtigkeit, die sich aus Temperatur und relativer Feuchte berechnen lässt. Steigt sie, ist tatsächlich Wasser in die Luft gekommen. Bleibt sie gleich, während die relative Feuchte steigt, ist es die sinkende Temperatur.

Der Vergleichspunkt macht all das erst einordbar. Zeigt der betroffene Raum dieselben Muster wie ein unauffälliger Raum im selben Gebäude, liegt die Erklärung eher im Gebäude oder im Wetter. Weicht er deutlich ab, liegt sie eher an dieser Stelle. Ohne Vergleich fehlt der Maßstab, was in diesem Haus normal ist.

Schritt drei: Taupunktabstand und Dauer auswerten

Für die Frage nach Kondensat und Schimmelrisiko ist der Taupunktabstand die aussagekräftigste Spalte. Je kleiner er wird, desto näher steht die Stelle an Kondensat. Als bauphysikalischer Richtwert gilt, dass ab rund 80 Prozent relativer Feuchte an der Bauteiloberfläche über mehrere Tage mit Schimmelwachstum zu rechnen ist; im Beispiel oben entspricht das einem Taupunktabstand von grob drei bis vier Kelvin.

Entscheidend ist die Dauer. Kurze Spitzen nach dem Duschen sind normal. Wer ein Protokoll auswertet, zählt deshalb, wie viele Stunden oder Tage am Stück ein Messpunkt im kritischen Bereich lag und wie oft das vorkam. Die Plattform von San-Care fasst das in einer vierstufigen Einstufung je Messpunkt zusammen: unauffällig, beobachten, kritisch, Handlungsbedarf.

Bei der Temperatur lohnt ein Blick auf die Genauigkeit. Weil der Taupunktabstand eine Differenz aus gemessener Temperatur und berechnetem Taupunkt ist, wirken sich Messabweichungen doppelt aus. Ein Abstand von wenigen Zehntel Kelvin ist deshalb nicht genauer zu lesen, als die Messgeräte erlauben; aussagekräftig sind Tendenzen und Dauer, nicht die letzte Nachkommastelle.

Welche Protokolle San-Care liefert

San-Care erfasst in Objekten in Wien und Niederösterreich Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit alle 15 Minuten, auf ±0,3 °C genau, und berechnet daraus Taupunkt und Taupunktabstand. In der Plattform ist der Verlauf je Messpunkt mit eingezeichneten Grenzwerten und Vorfällen sichtbar; die Rohdaten lassen sich als CSV exportieren.

Der Monatsreport als PDF ordnet die Messreihen fachlich ein und hält Messung und Einordnung getrennt. Lücken bleiben als Lücken sichtbar und werden nicht rechnerisch aufgefüllt. So kann ein Sachverständiger die Daten mit eigenen Methoden nachrechnen.

Begriffe in diesem Text

Kurz erklärt.

Messprotokoll
Die geordnete Aufstellung aller Messwerte eines Messpunkts mit Zeitstempel, Position und den daraus berechneten Größen.
Taupunkt
Die Temperatur, bei der die Luft ihre Feuchtigkeit nicht mehr halten kann und Wasser sich niederschlägt.
Taupunktabstand
Der Abstand zwischen der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt — je kleiner er ist, desto näher ist die Stelle an Kondenswasser.
Absolute Luftfeuchtigkeit
Die tatsächliche Menge Wasserdampf in der Luft, angegeben in Gramm je Kubikmeter — unabhängig von der Temperatur.
Messintervall
Der zeitliche Abstand zwischen zwei Messungen — bei San-Care 15 Minuten, also rund 96 Werte je Größe und Tag.
Datenlücke
Ein Zeitraum ohne Messwerte, etwa weil ein Messpunkt ausgefallen ist oder kein Funkkontakt bestand.
Einstufung
Die vierstufige Bewertung je Messpunkt — unauffällig, beobachten, kritisch, Handlungsbedarf —, die den Feuchtezustand an dieser Stelle zusammenfasst.

Vollständiges Glossar

Häufige Fragen

Was dazu gefragt wird.

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Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.

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Bewohner
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Gebiet
Wien & Niederösterreich