50 — Wissen
Wäsche in der Wohnung trocknen, ohne dass es schimmelt
Nicht jeder hat einen Trockenraum, einen Trockner oder einen Balkon, der im Winter etwas bringt. Wäsche in der Wohnung zu trocknen ist deshalb normal. Entscheidend ist nicht, ob man es tut, sondern wo und wie die Feuchte danach wieder hinauskommt.
Wie viel Wasser gibt eine Waschladung an die Raumluft ab?
Das Wasser, das nach dem Schleudern in der Wäsche bleibt, verdunstet beim Trocknen vollständig in den Raum. Je nach Beladung, Stoffart und Schleuderdrehzahl sind das grob ein bis mehrere Liter je Maschine. Höher geschleuderte Wäsche bringt deutlich weniger Wasser mit als schwach geschleuderte oder von Hand gewaschene.
Zur Einordnung: Luft kann nur begrenzt Wasser als Dampf aufnehmen. Ein Kubikmeter Raumluft bei 20 °C und 50 Prozent relativer Feuchte enthält rund 8,6 Gramm Wasser und kann bis zur Sättigung nur noch etwa ebenso viel zusätzlich aufnehmen. In einem Zimmer mit 50 Kubikmetern Luft ist damit schon nach einem knappen halben Liter Schluss. Der Rest muss durch Lüften hinaus — oder er landet an den kältesten Oberflächen und in den Materialien des Raumes.
Was passiert an der Wand, wenn die Raumfeuchte steigt?
Steigt die Feuchte im Raum, steigt sie an jeder Oberfläche mit — und an kalten Stellen überproportional. Ein Rechenbeispiel: Bei 20 °C Raumtemperatur und 50 Prozent relativer Feuchte hat eine Außenecke mit 14 °C an ihrer Oberfläche rund 73 Prozent. Steigt die Raumfeuchte durch den Wäscheständer auf 65 Prozent, sind es an derselben Ecke rund 95 Prozent. Der Taupunkt der Raumluft steigt dabei von rund 9 auf rund 13 °C.
Einmal im Monat ist das kein Problem. Wird aber mehrmals pro Woche im selben Raum getrocknet, ohne dass die Feuchte dazwischen abgeführt wird, liegen die kalten Stellen des Raumes in der Heizperiode immer wieder über Tage im kritischen Bereich. Genau dieses Muster führt zu Schimmel.
| Raumluft | Taupunkt | Außenecke 14 °C | Einordnung |
|---|---|---|---|
| 20 °C / 50 % | rund 9 °C | rund 73 % | unauffällig |
| 20 °C / 55 % | rund 11 °C | rund 80 % | kritisch, wenn es anhält |
| 20 °C / 65 % | rund 13 °C | rund 95 % | kritisch, nahe Kondensat |
Welcher Raum eignet sich zum Wäschetrocknen?
Am besten ein Raum mit Fenster, der beheizt ist und in dem niemand schläft. Warme Luft nimmt mehr Feuchte auf und trägt sie beim Lüften hinaus. Ein fensterloser Raum ist nur geeignet, wenn dort eine ausreichend starke Abluft vorhanden ist.
Ungünstig sind vor allem
- Schlafzimmer, weil dort nachts ohnehin viel Feuchte entsteht und die Räume oft kühl sind
- Kalte oder kaum beheizte Räume, in denen die Wände besonders kalt sind
- Räume mit bekannten Schimmelstellen oder kalten Außenecken
- Wäscheständer direkt vor einer Außenwand oder vor Möbeln an der Außenwand
- Keller und Souterrain im Sommer, wenn dort ohnehin Sommerkondensation auftritt
Wie lüftet man beim Wäschetrocknen richtig?
Im Winter ist Stoßlüften das wirksamste Mittel. Kalte Außenluft enthält wenig Wasser; wird sie im Raum erwärmt, kann sie viel Feuchte aufnehmen. Mehrmals am Tag für einige Minuten das Fenster weit öffnen, am besten mit Durchzug, und die Tür zum Rest der Wohnung dabei schließen, damit die Feuchte nicht in kühlere Räume wandert.
Ein dauerhaft gekipptes Fenster ist die schlechtere Wahl: Es tauscht wenig Luft aus und kühlt die Laibung und die Wand darüber stark ab, genau dort, wo sich Feuchte dann niederschlägt. Die Heizung sollte während des Trocknens nicht abgedreht werden. Ein Wäschetrockner mit Kondensations- oder Wärmepumpentechnik führt das Wasser ab, statt es an den Raum abzugeben; ein Abluftgerät braucht einen Weg nach draußen.
Ein Luftentfeuchter kann in einem Raum ohne Lüftungsmöglichkeit helfen. Er ersetzt aber nicht das Lüften im Rest der Wohnung.
Woran erkennt man, dass es zu viel wird?
Frühe Zeichen sind beschlagene Fenster am Morgen, ein muffiger Geruch und feuchte Stellen in Ecken oder hinter Möbeln. Ein einfaches Hygrometer im Raum zeigt, ob die Raumfeuchte beim Trocknen über längere Zeit deutlich über 60 Prozent bleibt. Was an der kältesten Stelle passiert, zeigt es aber nicht.
San-Care misst in Wien und Niederösterreich, in der Regel im Auftrag von Hausverwaltung oder Eigentümer, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt alle 15 Minuten direkt an kritischen Wandstellen. Im Verlauf ist Wäschetrocknen gut zu erkennen: Die absolute Feuchte steigt über Stunden an und fällt nach dem Lüften wieder. Das hilft, sachlich einzugrenzen, ob eine feuchte Wand eher von der Nutzung oder vom Bauteil kommt; die Beurteilung bleibt bei der fachlichen Prüfung. Bewohner können auf Wunsch eingeladen werden und sehen dann die Werte der eigenen Wohnung.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Feuchteeintrag
- Die Menge an Wasser, die durch Atmen, Kochen, Duschen, Pflanzen oder Wäschetrocknen in die Raumluft gelangt.
- Absolute Luftfeuchtigkeit
- Die tatsächliche Menge Wasserdampf in der Luft, angegeben in Gramm je Kubikmeter — unabhängig von der Temperatur.
- Relative Luftfeuchtigkeit
- Der Anteil an Wasserdampf in der Luft, angegeben in Prozent dessen, was die Luft bei dieser Temperatur maximal aufnehmen kann.
- Sättigung
- Der Zustand, in dem die Luft bei ihrer aktuellen Temperatur keinen weiteren Wasserdampf mehr aufnehmen kann.
- Stoßlüften
- Kurzes Lüften mit ganz geöffnetem Fenster, bei dem die Raumluft schnell ausgetauscht wird, ohne dass die Wände stark auskühlen.
- Kipplüftung
- Lüften über ein dauerhaft gekipptes Fenster, bei dem nur wenig Luft ausgetauscht wird.
- Taupunkt
- Die Temperatur, bei der die Luft ihre Feuchtigkeit nicht mehr halten kann und Wasser sich niederschlägt.
Häufige Fragen
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