42 — Wissen
Wer misst Feuchtigkeit in Wohnungen? Die Anbieterarten im Vergleich
Wer „Feuchtigkeit messen lassen“ sucht, findet sehr unterschiedliche Angebote unter demselben Stichwort. Sie beantworten verschiedene Fragen — und wer die falsche Art beauftragt, bekommt eine korrekte Antwort auf eine Frage, die er nicht gestellt hat.
Welche Frage soll die Messung beantworten?
Bevor es um Anbieter geht, lohnt ein Satz zur eigenen Frage. „Ist da ein Rohr undicht?“ verlangt eine andere Messung als „Wer ist für den Schimmel verantwortlich?“ oder „Ist die Wand nach dem Wasserschaden wieder trocken?“. Jede dieser Fragen hat ihre eigene Berufsgruppe, ihr eigenes Messverfahren und ihren eigenen Zeitraum.
In der Praxis zeigt sich, dass die meisten Enttäuschungen daher kommen, dass diese Zuordnung übersprungen wird. Ein Momentwert vom Gutachtertermin im Oktober sagt wenig darüber, was im Jänner an der Außenecke passiert. Eine Messreihe über den Winter wiederum sagt nichts darüber, ob im Estrich noch Wasser steht. Beides ist fachlich korrekt — nur eben für unterschiedliche Fragen.
Typische Ausgangsfragen
- Woher kommt die Feuchtigkeit, und ist ein Bauteil oder eine Leitung betroffen?
- Ist ein Bauteil nach einem Wasserschaden ausreichend getrocknet?
- Treten an einer Stelle über längere Zeit kritische Bedingungen auf, und wann genau?
- Welche Rechte und Pflichten haben Mieter und Vermieter im konkreten Fall?
Welche Anbieterarten gibt es und was leisten sie?
Die folgende Übersicht ordnet die üblichen Anlaufstellen nach Zweck, Zeitraum und Ergebnis. Sie nennt bewusst Berufsgruppen und keine einzelnen Firmen; in Wien und Niederösterreich gibt es in jeder Gruppe mehrere Anbieter.
| Anbieterart | Zweck | Zeitraum | Ergebnis | Wann sinnvoll |
|---|---|---|---|---|
| Sachverständiger oder Gutachter | Ursache fachlich beurteilen, Befund und Gutachten erstellen | Ein oder mehrere Termine vor Ort, Punktmessung | Schriftlicher Befund oder Gutachten mit Einschätzung | Bei Streit über die Ursache, vor Gericht, für Versicherung oder Sanierungsentscheidung |
| Trocknungs- und Sanierungsfirma | Feuchte im Bauteil messen, trocknen, sanieren | Für die Dauer der Trocknung oder Sanierung | Mess- und Trocknungsprotokoll, durchgeführte Maßnahme | Nach einem Wasserschaden oder wenn die Sanierung beschlossen ist |
| Leckortung | Undichte Leitung oder Wassereintritt auffinden | Meist ein Einsatz | Lage der Schadstelle, Bericht | Bei Verdacht auf Rohrbruch oder unerklärlich nasse Stellen |
| Selbstmessung mit Hygrometer | Groben Eindruck vom Raumklima bekommen | Momentaufnahme, meist ohne Aufzeichnung | Anzeige eines Werts an einer Stelle | Zur ersten Orientierung und für das eigene Lüftungsverhalten |
| Mieterberatung | Rechte und Pflichten im Mietverhältnis klären | Beratungsgespräch | Rechtliche Orientierung, weiteres Vorgehen | Wenn unklar ist, wer einen Mangel zu beheben hat |
| Laufendes Monitoring (San-Care) | Raumklima an kritischen Stellen durchgehend aufzeichnen und melden | Wochen bis Jahre, alle 15 Minuten | Zeitgestempelte Messreihe, Alerts, Monatsreport | Bei wiederkehrenden Meldungen, zur Kontrolle nach Sanierung oder Trocknung, im Leerstand |
Wann braucht es Gutachter, Trocknungsfirma oder Leckortung?
Ein Sachverständiger beurteilt. Er sieht sich das Bauteil an, misst vor Ort, oft auch die Materialfeuchte im Mauerwerk, und ordnet ein, welche Ursache wahrscheinlich ist. Sein Ergebnis ist ein Befund oder ein Gutachten, das im Streitfall, gegenüber einer Versicherung oder vor Gericht Gewicht hat. Seine Grenze ist der Zeitpunkt: Er sieht, was am Termin ist, und muss den Zeitraum davor aus Spuren und Aussagen erschließen.
Trocknungs- und Sanierungsfirmen messen, um arbeiten zu können. Sie bestimmen die Feuchte im Bauteil, stellen Geräte auf und messen, bis die Trocknung abgeschlossen ist. Leckortungsfirmen suchen dagegen gezielt die Stelle, an der Wasser austritt — mit Verfahren wie Druckprüfung, Thermografie oder Feuchtekartierung. Beide Leistungen sind auf ein Ereignis bezogen und enden mit ihm.
Was leisten Hygrometer und Mieterberatung?
Ein Hygrometer aus dem Handel zeigt die relative Luftfeuchtigkeit an seinem Standort, meist ohne Aufzeichnung und ohne Angabe zur Oberflächentemperatur der Wand. Für das eigene Lüften ist das eine brauchbare Orientierung. Für die Frage, ob an einer kalten Ecke über Tage kritische Bedingungen herrschen, reicht es nicht, weil Dauer und Verlauf fehlen.
Mieterberatungsstellen — etwa die Arbeiterkammer oder Mieterorganisationen wie die Mietervereinigung — beraten zu Rechten und Pflichten im Mietverhältnis und zum sinnvollen Vorgehen bei einem Mangel. Ob und in welcher Form dort auch vor Ort begutachtet wird, unterscheidet sich je Stelle und ist direkt zu erfragen. Für Vermieter und Hausverwaltungen sind Interessenvertretungen der Eigentümer und die eigene Rechtsberatung die entsprechenden Anlaufstellen.
Wofür ist laufendes Monitoring gedacht?
Monitoring schließt die Lücke zwischen den Terminen. San-Care setzt batteriebetriebene Messpunkte an die kritischen Stellen einer Wohnung — Außenecken, Fensterlaibungen, hinter Einbauten — und zeichnet dort Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt alle 15 Minuten auf. Die Werte laufen per LoRaWAN an eine Basisstation im Objekt, ohne das WLAN der Bewohner, und stehen in der Plattform app.san-care.at als Verlauf bereit.
Das Ergebnis ist keine Beurteilung, sondern eine Messreihe: wann es an welcher Stelle wie feucht und wie kalt war. Bei anhaltend kritischen Bedingungen meldet sich die Plattform, jeden Monat kommt ein Report als PDF mit fachlicher Einordnung. Die Rohdaten lassen sich als CSV exportieren und einem Sachverständigen übergeben.
Das Standardsystem misst das Raumklima an der Oberfläche, nicht die Materialfeuchte im Bauteil. Wo es um Feuchte im Mauerwerk geht, kann San-Care gemeinsam mit dem Entwicklungspartner smartenic eine angepasste Messung mit Wandfeuchte-Sonden konzipieren — die Machbarkeit wird vorher offen geprüft. San-Care ist dabei Ansprechpartner für Sensorik und Monitoring, keine Sanierungsfirma.
Wie ergänzen sich die Anbieterarten?
Die Anbieterarten stehen nicht in Konkurrenz, sondern folgen aufeinander. Ein typischer Ablauf bei wiederkehrendem Schimmel: Die Hausverwaltung lässt über eine Heizperiode messen, der Verlauf zeigt, wann und wo es kritisch wird, und ein Sachverständiger beurteilt auf dieser Grundlage die Ursache. Nach der Sanierung zeigt dieselbe Messung, ob die Maßnahme gewirkt hat.
Nach einem Wasserschaden ist die Reihenfolge anders: Leckortung findet die Schadstelle, die Trocknungsfirma trocknet, und eine Messung danach dokumentiert, ob die Werte stabil bleiben oder wieder steigen. San-Care hat rund 30 Jahre Sanierungserfahrung und kennt diese Abläufe aus der Praxis — deshalb ist die Messung so angelegt, dass sie den anderen Beteiligten zuarbeitet.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Sachverständiger
- Eine fachlich qualifizierte Person, die den Zustand eines Bauteils beurteilt und daraus eine gutachterliche Bewertung ableitet.
- Gerichtssachverständiger
- Ein allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, der von einem Gericht bestellt werden kann, um eine Fachfrage zu beurteilen.
- Leckageortung
- Das Aufspüren einer undichten Stelle in einer Leitung, möglichst ohne Wände oder Böden großflächig zu öffnen.
- Technische Trocknung
- Das gezielte Entfeuchten von Räumen und Bauteilen mit Geräten wie Luftentfeuchtern oder Gebläsen nach einem Wasserschaden.
- Hygrometer
- Ein Messgerät, das die relative Luftfeuchtigkeit anzeigt, meist zusammen mit der Temperatur.
- Materialfeuchte
- Die Menge Wasser, die in einem Baustoff selbst steckt, etwa in Mauerwerk, Putz oder Estrich, im Unterschied zur Feuchtigkeit der Raumluft.
- Messreihe
- Eine lückenlose Folge von Messwerten über einen längeren Zeitraum — im Unterschied zur einmaligen Momentaufnahme.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
Passende Leistungen
- Feuchte- und SchimmelmonitoringFeuchte, Temperatur und Taupunkt — alle 15 Minuten, über Monate, zeitgestempelt.Ansehen
- Plattform, Reports und BewertungZahlen allein helfen niemandem. Wir sagen Ihnen, was sie bedeuten.Ansehen
- Individuelle Messaufgaben und Sensorik nach MaßWenn die Frage eine andere ist, bauen wir die Messung dazu.Ansehen
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Nächster Schritt
Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.
Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
- rasch und persönlich
- keine Kamera, kein Mikrofon
- Zustimmung vorausgesetzt
- Wien & Niederösterreich