23 — Wissen
Wie lange dauert die Trocknung nach einem Wasserschaden?
„Wie lange noch?“ ist die Frage, die nach einem Wasserschaden am häufigsten gestellt wird — von Bewohnern, die die Geräte hören, und von Verwaltungen, die die Sanierung planen müssen. Eine seriöse Antwort nennt Einflussgrößen statt einer Zahl und sagt, woran man das Ende erkennt.
Wovon die Dauer der Trocknung abhängt
Die Trocknungsdauer ergibt sich aus der Frage, wie viel Wasser wohin gelangt ist und wie leicht es wieder herauskommt. Eine nasse Wandoberfläche nach einem kurzen Austritt trocknet mit Luftentfeuchtern oft in wenigen Tagen. Wasser, das unter den Estrich in die Dämmschicht gelaufen ist, braucht deutlich länger, weil es dort eingeschlossen ist und gezielt herausgeführt werden muss.
Dazu kommen Einflussgrößen, die mit dem Schaden selbst nichts zu tun haben: die Raumtemperatur, die Jahreszeit, die Frage, ob Räume während der Trocknung genutzt werden, und der Zustand des Gebäudes. In einem kalten Altbau im Winter läuft dieselbe Trocknung anders als in einem beheizten Neubau im Sommer.
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Zeit bis zur Entdeckung. Ein Schaden, der am selben Abend bemerkt wird, hat weniger Wasser in die Tiefe gebracht als eine Undichtheit, die über Wochen unbemerkt tropfte. Je länger das Wasser Zeit hatte, sich im Bauteil zu verteilen, desto länger dauert es, es wieder herauszubekommen. Seriöse Trocknungsfirmen nennen deshalb zu Beginn eine Größenordnung und passen sie anhand der Zwischenmessungen an, statt ein festes Enddatum zu versprechen.
Die wichtigsten Einflussgrößen
- Wassermenge und Dauer des Austritts, bevor er bemerkt wurde
- Betroffene Baustoffe: Putz, Gipskarton, Ziegel, Beton, Estrich, Dämmung
- Ob Wasser in Hohlräume oder Dämmschichten gelangt ist
- Bauteildicke und Zugänglichkeit
- Raumtemperatur, Jahreszeit und Luftwechsel
- Eingesetztes Trocknungsverfahren und Anzahl der Geräte
Welche Trocknungsverfahren es gibt
Bei der Raumtrocknung entziehen Luftentfeuchter der Raumluft Wasser; das Bauteil gibt seine Feuchte nach und nach an die trockenere Luft ab. Das genügt, wenn vor allem Oberflächen betroffen sind.
Bei der Dämmschicht- oder Estrichtrocknung wird durch Bohrungen im Estrich Luft in die Dämmschicht geführt oder aus ihr abgesaugt, sodass das eingeschlossene Wasser herausgetragen wird. Für Mauerwerk kommen je nach Situation weitere Verfahren wie Wärmezufuhr hinzu. Welches Verfahren passt, entscheidet die Trocknungsfirma nach der Aufnahme des Schadens.
In der Praxis zeigt sich, dass die Dauer weniger vom Gerät abhängt als von einem sauberen Beginn: Ist die Ursache nicht behoben oder wird zu früh verschlossen, verlängert sich jede Trocknung — im schlechtesten Fall bis zum nächsten Schaden.
Woran man das Ende der Trocknung erkennt
Das Ende der Trocknung ist kein Datum, sondern ein Messergebnis. Die Trocknungsfirma misst die Materialfeuchte im Bauteil, bei Estrich häufig mit der CM-Methode, bei der eine Probe entnommen und ihr Wassergehalt bestimmt wird, bei Mauerwerk mit geeigneten Messverfahren. Liegt die Restfeuchte in einem Bereich, der für den Baustoff und den geplanten Belag als unkritisch gilt, wird die Trocknung abgeschlossen.
Eine trockene Oberfläche ist dafür kein Kriterium. Die Oberfläche trocknet zuerst, das Innere zuletzt. Wer nach Augenschein entscheidet, riskiert, dass Feuchte aus dem Inneren des Bauteils nachkommt, sobald die Geräte abgebaut sind.
Sinnvoll ist, sich bei der Abnahme das Messergebnis schriftlich geben zu lassen: welche Stellen gemessen wurden, mit welchem Verfahren, an welchem Tag und mit welchem Ergebnis. Diese Unterlage ist später oft das einzige Dokument, das den Zustand zum Abschluss der Trocknung festhält. Wer sie nicht hat, muss sie im Streitfall rekonstruieren — und das gelingt selten.
Warum die Wochen nach der Abnahme zählen
Die Materialfeuchtemessung zum Abschluss ist eine Momentaufnahme an einzelnen Stellen. Sie sagt, wie es an diesem Tag an diesen Punkten aussah. Ob der Raum danach stabil bleibt, zeigt sie nicht.
Genau hier ergänzt eine durchgehende Messreihe des Raumklimas die Materialmessung. Steigt die relative Luftfeuchtigkeit nach dem Abbau der Geräte wieder an, obwohl sich an Nutzung und Lüftung nichts geändert hat, ist das ein Hinweis, dass aus dem Bauteil noch Feuchte nachkommt. Bleiben die Werte stabil und folgen sie dem normalen Tages- und Jahresrhythmus, spricht das für einen abgeschlossenen Vorgang. Beides ist ein Hinweis für die fachliche Prüfung, keine abschließende Bewertung.
| Messung | Was sie beantwortet | Was sie nicht beantwortet |
|---|---|---|
| Materialfeuchte zum Abschluss | Wie feucht das Bauteil an dieser Stelle heute ist | Wie sich der Raum in den Wochen danach verhält |
| Raumklima-Messreihe über Wochen | Ob Feuchte nach dem Abbau der Geräte wieder ansteigt | Wie viel Wasser im Inneren des Bauteils steckt |
Was San-Care in dieser Phase beiträgt
San-Care setzt Messpunkte in die betroffenen Räume und an die kältesten Stellen daneben, idealerweise schon während die Geräte laufen. Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt werden alle 15 Minuten zeitgestempelt erfasst. So ist der Rückgang der Feuchte selbst dokumentiert, und die Wochen nach der Abnahme sind es auch.
Materialfeuchtesonden sind als individuelle Messaufgabe auf Anfrage möglich; ob sie für einen konkreten Schaden sinnvoll sind, wird vorher offen eingeschätzt. Betreut werden Objekte in Wien und Niederösterreich.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Technische Trocknung
- Das gezielte Entfeuchten von Räumen und Bauteilen mit Geräten wie Luftentfeuchtern oder Gebläsen nach einem Wasserschaden.
- Estrichtrocknung
- Eine Trocknung, bei der Luft durch Bohrungen in die Dämmschicht unter dem Estrich geführt wird, um dort eingeschlossenes Wasser herauszuholen.
- Restfeuchte
- Die Feuchtigkeit, die nach einer Trocknung noch im Baustoff verblieben ist.
- Trocknungskontrolle
- Die durchgehende Überwachung, ob sich Feuchte nach einem Wasserschaden tatsächlich abbaut und die Werte sich stabilisieren.
- Messreihe
- Eine lückenlose Folge von Messwerten über einen längeren Zeitraum — im Unterschied zur einmaligen Momentaufnahme.
- Relative Luftfeuchtigkeit
- Der Anteil an Wasserdampf in der Luft, angegeben in Prozent dessen, was die Luft bei dieser Temperatur maximal aufnehmen kann.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
Nächster Schritt
Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.
Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
- rasch und persönlich
- keine Kamera, kein Mikrofon
- Zustimmung vorausgesetzt
- Wien & Niederösterreich