38 — Wissen
Datenlogger oder Monitoring-System: was sich für Bestandsobjekte eignet
Beide Geräte messen dasselbe: Temperatur und Luftfeuchte über einen Zeitraum. Der Unterschied liegt darin, wann jemand die Werte sieht — und was passiert, wenn sie kritisch werden, bevor jemand hinschaut.
Was ein Datenlogger leistet
Ein Datenlogger ist ein Messgerät mit eigenem Speicher. Er wird aufgestellt, zeichnet in einem festgelegten Takt Temperatur und Luftfeuchte auf und wird später ausgelesen — per Kabel, per Speicherkarte oder per Nahfunk vor Ort. Erst dann sieht jemand, was während der Messung passiert ist.
Für abgegrenzte Aufgaben ist das ein bewährtes Werkzeug. Ein Sachverständiger, der für ein Gutachten zwei Wochen lang das Raumklima in einer Wohnung dokumentieren will, braucht keine Funkinfrastruktur. Er stellt Logger auf, holt sie wieder ab und wertet aus.
Die Grenzen zeigen sich, sobald die Messung länger dauert oder mehrere Einheiten umfasst. Jedes Auslesen ist ein Termin, oft in einer bewohnten Wohnung. Was zwischen zwei Terminen passiert, erfährt niemand rechtzeitig. Und wird ein Logger verstellt, abgedeckt oder entfernt, fällt das erst beim Auslesen auf — samt der Lücke in den Daten.
Was ein Monitoring-System zusätzlich leistet
Ein Monitoring-System misst genauso, schickt die Werte aber laufend per Funk an eine Plattform. Dort stehen sie praktisch sofort zur Verfügung, werden gespeichert und ausgewertet. Das verändert weniger die Messung als den Umgang mit ihr.
Bei San-Care funken die Messpunkte über LoRaWAN an eine netzbetriebene Basisstation je Objekt, ohne das WLAN der Bewohner. Die Plattform unter app.san-care.at zeigt Verläufe je Messpunkt, arbeitet mit Alarmregeln mit Mindestdauer und meldet sich bei anhaltend kritischen Bedingungen und bei Funkausfall. Jeden Monat kommt ein Report als PDF mit fachlicher Einordnung.
Was im Monitoring hinzukommt
- Werte sind laufend sichtbar, nicht erst nach dem Auslesen
- Alerts bei anhaltend kritischen Bedingungen, bevor ein Schaden sichtbar wird
- Meldung, wenn ein Messpunkt ausfällt, statt einer unbemerkten Lücke
- Alle Objekte und Einheiten in einer Ansicht, mit Rollen und Zugriffsrechten
- Kein Auslesetermin in bewohnten Wohnungen
Datenlogger und Monitoring im direkten Vergleich
Die Gegenüberstellung zeigt, dass es weniger um besser oder schlechter geht als um den Einsatzzweck. Die Sensoren selbst können in beiden Fällen gleich gut messen; der Unterschied liegt darin, wie die Werte zu den Menschen kommen, die mit ihnen arbeiten, und wie schnell jemand reagieren kann, wenn es kritisch wird.
| Datenlogger | Monitoring-System | |
|---|---|---|
| Werte sichtbar | nach dem Auslesen | laufend |
| Warnung bei kritischen Bedingungen | nein | ja, per Alert |
| Ausfall eines Geräts | fällt erst beim Auslesen auf | wird gemeldet |
| Aufwand im Betrieb | Termine zum Auslesen | Wartung, kein Auslesen |
| Mehrere Einheiten im Blick | einzeln, nachträglich | in einer Ansicht |
| Typischer Einsatz | kurze, abgegrenzte Messung | Monate bis dauerhaft, mehrere Einheiten |
Wann ein Datenlogger genügt
Ein Logger ist die richtige Wahl, wenn die Messung kurz ist, nur wenige Räume betrifft und niemand zwischendurch reagieren muss. Das gilt etwa für eine Stichprobe über einige Wochen, für eine vorbereitende Messung eines Sachverständigen oder für eine private Neugier in der eigenen Wohnung.
Wichtig ist dann, dass die Messung trotzdem sauber aufgesetzt wird: Position und Höhe festhalten, einen Vergleichspunkt setzen, den Zeitraum passend zur Frage wählen. Ein Logger in der Zimmermitte beantwortet die Frage nach der kalten Außenecke genauso wenig wie ein Monitoring-Messpunkt am selben Platz.
Warum Bestandsobjekte meist Monitoring brauchen
In einem Bestandsobjekt mit mehreren Parteien kommen drei Dinge zusammen, die für Monitoring sprechen. Feuchteverläufe sind saisonal, die Messung sollte also mindestens eine Heizperiode abdecken. Die Wohnungen sind bewohnt, jeder Auslesetermin ist eine Terminabstimmung. Und wenn die Werte kritisch werden, will die Verwaltung das wissen, solange noch Zeit zum Handeln ist — nicht Monate später beim Auslesen.
Dazu kommt die Frage der Dokumentation. Eine Messreihe, die im Streitfall von Dritten gelesen werden soll, muss lückenlos und zeitgestempelt sein, und Lücken müssen als Lücken erkennbar bleiben. Ein Monitoring-System meldet einen Ausfall sofort; bei San-Care bleibt eine Lücke im Protokoll sichtbar und wird nicht rechnerisch aufgefüllt.
In der Praxis bewährt sich deshalb eine klare Aufteilung: Logger für kurze Einzelfragen, Monitoring für Objekte mit wiederkehrenden Feuchtefällen, laufenden Streitfällen oder nach einem Wasserschaden. San-Care beginnt für den Einstieg üblicherweise mit einem Pilot in einem Objekt und zeigt nach drei Monaten, ob und wo dauerhaftes Monitoring sinnvoll ist.
Welcher Aufwand im Betrieb oft übersehen wird
Beim Vergleich wird meist nur auf den Gerätepreis geschaut. Ein Datenlogger ist in der Anschaffung günstig, und für eine Einzelmessung bleibt es dabei. Bei längeren Messungen in bewohnten Objekten verschiebt sich der Aufwand aber vom Gerät zur Organisation.
Jedes Auslesen braucht einen Termin, eine Person vor Ort und die Anwesenheit der Bewohner. Die ausgelesenen Dateien müssen zusammengeführt, beschriftet und ausgewertet werden, oft in verschiedenen Programmen je Gerätetyp. Geht ein Logger verloren oder wird er versehentlich zurückgesetzt, sind die Werte seit dem letzten Auslesen verloren. Und wenn zwischen zwei Terminen kritische Bedingungen auftreten, erfährt die Verwaltung davon erst, wenn es für eine frühe Reaktion zu spät ist.
Ein Monitoring-System verlagert diese Arbeit. Die Werte kommen ohne Termin an, sie liegen für alle Einheiten in derselben Struktur vor und lassen sich als CSV für eine eigene Auswertung oder für einen Sachverständigen exportieren. Wartung und Batteriewechsel bleiben, aber sie sind planbar.
Fragen, die bei der Entscheidung helfen
- Wie lange soll gemessen werden — Wochen oder mindestens eine Heizperiode?
- Wie viele Einheiten und Räume sind betroffen?
- Muss jemand reagieren, während die Messung läuft?
- Soll die Messreihe später von Dritten gelesen werden?
- Wer liest die Geräte aus, wertet aus und bewahrt die Daten auf?
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Datenlogger
- Ein Messgerät, das Werte über einen Zeitraum im eigenen Speicher aufzeichnet, die erst beim Auslesen vor Ort oder per Kabel sichtbar werden.
- IoT-Plattform
- Die Software im Internet, in der die Daten vernetzter Sensoren ankommen, gespeichert, angezeigt und ausgewertet werden.
- Messreihe
- Eine lückenlose Folge von Messwerten über einen längeren Zeitraum — im Unterschied zur einmaligen Momentaufnahme.
- Alert
- Eine automatische Meldung per E-Mail, sobald an einem Messpunkt über längere Zeit kritische Bedingungen bestehen.
- Datenlücke
- Ein Zeitraum ohne Messwerte, etwa weil ein Messpunkt ausgefallen ist oder kein Funkkontakt bestand.
- Gateway
- Ein Gerät, das die Funksignale mehrerer Sensoren empfängt und die Daten an eine Plattform im Internet weiterleitet.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
Nächster Schritt
Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.
Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
- rasch und persönlich
- keine Kamera, kein Mikrofon
- Zustimmung vorausgesetzt
- Wien & Niederösterreich