46 — Wissen
Feuchtigkeit in leerstehenden Wohnungen und Zweitwohnsitzen überwachen
In einer bewohnten Wohnung fällt ein feuchter Fleck irgendwann auf. In einer leeren Wohnung sieht ihn niemand — bis zur nächsten Besichtigung, zum Mieterwechsel oder zum Frühjahr. Genau diese Zeit lässt sich mit Messtechnik überbrücken.
Warum sind leere Wohnungen besonders feuchteanfällig?
In einer leeren Wohnung fehlen zwei Dinge, die sonst nebenbei passieren: Lüften und Heizen. Ohne Luftwechsel bleibt Feuchte, die durch Bauteile, Undichtheiten oder aus dem Keller eintritt, im Raum. Ohne ausreichende Heizung kühlen Außenwände und Ecken stärker ab, und die relative Feuchte an diesen Oberflächen steigt — auch wenn niemand duscht oder kocht.
Das zweite Risiko ist die Zeit. Ein kleines Problem, das in einer bewohnten Wohnung nach Tagen auffällt, kann im Leerstand Wochen oder Monate unbemerkt bleiben. In der Praxis zeigt sich, dass Schäden in leeren Einheiten deshalb oft größer ausfallen: nicht weil sie schneller entstehen, sondern weil sie später entdeckt werden.
Typische Risiken im Leerstand
- Fehlender Luftwechsel, Feuchte baut sich nicht ab
- Abgesenkte oder ausgefallene Heizung, kalte Außenwände
- Frostgefahr für Leitungen, wenn die Heizung ganz ausfällt
- Sommerkondensation in kühlen Erdgeschoß- und Kellerräumen
- Unbemerkte Wassereintritte, weil niemand vor Ort ist
Was passiert, wenn die Heizung abgesenkt ist oder ausfällt?
Viele Eigentümer senken die Heizung im Leerstand auf eine Frostschutzstellung ab. Das ist nachvollziehbar, verschiebt aber das Risiko: Je kälter die Räume, desto kälter die Außenwände, und desto eher wird an Ecken und Laibungen der kritische Bereich erreicht. Fällt die Heizung ganz aus, droht zusätzlich Frost an wasserführenden Leitungen.
Beides lässt sich über die Temperatur erkennen. Ein Messpunkt, der die Raumtemperatur alle 15 Minuten meldet, zeigt einen Heizungsausfall innerhalb kurzer Zeit — lange bevor jemand bei der nächsten Kontrolle vor einer kalten Wohnung steht. Mit einer Alarmregel für einen unteren Grenzwert meldet sich die Plattform, wenn die Temperatur über eine festgelegte Dauer zu niedrig bleibt.
Was lässt sich aus der Ferne überwachen?
Das Standardsystem von San-Care erfasst an jedem Messpunkt Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und den daraus berechneten Taupunkt, alle 15 Minuten, mit einer Schimmelrisiko-Einstufung. Die Werte laufen per LoRaWAN an eine Basisstation im Objekt; ein WLAN in der Wohnung ist dafür nicht nötig. Die Messpunkte sind batteriebetrieben und laufen rund fünf Jahre, die Basisstation braucht eine Steckdose mit Strom.
Andere Messgrößen, etwa ein Wassermelder am Boden, gehören nicht zum Standardsystem. Sie sind nur als angepasste Messaufgabe auf Anfrage möglich; die Machbarkeit wird vorher geprüft.
| Situation | Was die Messung zeigt | Mögliche Alarmregel |
|---|---|---|
| Heizung ausgefallen oder zu stark abgesenkt | Raumtemperatur sinkt über Stunden | Unterer Grenzwert mit Mindestdauer |
| Feuchte baut sich nicht ab | Relative Feuchte bleibt über Tage hoch | Oberer Grenzwert mit Mindestdauer |
| Kalte Außenecke wird kritisch | Taupunktabstand wird dauerhaft klein | Grenzwert je Messpunkt an der kältesten Stelle |
| Messpunkt oder Basisstation sendet nicht | Keine neuen Werte | Meldung bei Funkausfall |
Wie richtet man die Überwachung ein?
Die Einrichtung im Leerstand ist einfacher als in einer bewohnten Wohnung, weil kein Termin mit Bewohnern abgestimmt werden muss. San-Care beginnt mit einer Begehung und setzt die Messpunkte an die kältesten Stellen, typischerweise zwei bis vier je Einheit, dazu einen Vergleichspunkt. Die Montage übernimmt das eigene Team ohne Subunternehmer.
Danach sehen Verwaltung oder Eigentümer den Zustand in der Plattform app.san-care.at, zuerst in Worten und dann als Verlauf je Messpunkt. Jeden Monat kommt ein Report als PDF mit fachlicher Einordnung. Wird die Wohnung wieder vermietet, kann die Messung weiterlaufen oder beendet werden; die Messdaten gehören dem Objekt und bleiben erhalten.
Worin unterscheidet sich ein Zweitwohnsitz vom Leerstand?
Ein Zweitwohnsitz steht nicht dauerhaft leer, sondern wird in Abständen genutzt. Das bringt ein eigenes Muster: Über Wochen ist die Wohnung kühl und ungelüftet, dann wird sie für ein paar Tage aufgeheizt und bewohnt. Beim Aufheizen trifft warme, feuchter werdende Raumluft auf Wände, die noch kalt sind — in dieser Phase kann sich an kalten Stellen kurzzeitig Kondensat bilden.
Für Eigentümer ist deshalb weniger der Einzelwert interessant als der Verlauf über die Abwesenheit: Hat die Heizung durchgehend gehalten? Wie hoch war die Feuchte in den Wochen ohne Nutzung? Wie schnell hat sich die Wohnung nach der Ankunft wieder eingependelt? Die Plattform zeigt das je Messpunkt über frei wählbare Zeiträume.
Bei Häusern mit Keller oder Erdgeschoßräumen kommt im Sommer die Sommerkondensation hinzu: Wer an warmen Tagen ausgiebig lüftet, bringt feuchte Außenluft an kühle Wände. Auch das wird im Verlauf sichtbar, wenn an diesen Stellen gemessen wird.
Wie funktioniert der Alarm, und was ist dann zu tun?
Im Leerstand ist ein stummer Sensor das größte Risiko der Überwachung selbst. Fällt etwa der Strom für die Basisstation aus, kommen keine Werte mehr an, und ohne Meldung würde das niemand bemerken. Die Plattform von San-Care kennt deshalb neben Grenzwerten eine Alarmregel für Funkausfall: Kommen von einem Messpunkt keine Werte mehr, geht eine Meldung an die festgelegten Empfänger.
Jeder Alarm wird in der Plattform zu einem Vorfall mit Verlauf — wann die Bedingung eintrat, wer reagiert hat und wann sie wieder im Rahmen war. Für einen Zweitwohnsitz, den Eigentümer nur gelegentlich besuchen, entsteht so ein nachvollziehbares Protokoll dessen, was in ihrer Abwesenheit passiert ist.
Ein Alarm ist ein Hinweis, keine Diagnose. Welche Maßnahme folgt, entscheiden Verwaltung oder Eigentümer; in der Praxis hat sich eine einfache Reihenfolge bewährt, die vorher festgelegt wird — einschließlich der Frage, wer einen Schlüssel hat und vor Ort nachsehen kann.
Bewährte Reihenfolge
- Verlauf in der Plattform ansehen: Seit wann besteht die Bedingung, betrifft sie einen oder mehrere Messpunkte?
- Bei Temperaturabfall die Heizung prüfen lassen, bei Funkausfall die Stromversorgung der Basisstation
- Bei anhaltend hoher Feuchte vor Ort nachsehen, lüften und auf sichtbare Wassereintritte achten
- Den Vorfall in der Plattform bestätigen und festhalten, was unternommen wurde
- Bei sichtbaren Schäden eine fachliche Prüfung beauftragen und gegebenenfalls die Versicherung informieren
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Luftwechsel
- Der Austausch der verbrauchten, feuchten Raumluft gegen frische Außenluft.
- Heizverhalten
- Die Art, wie Räume beheizt werden — welche Räume, wie warm und wie stark die Temperatur zeitweise abgesenkt wird.
- Sommerkondensation
- Feuchte, die sich im Sommer in kühlen Räumen wie Kellern niederschlägt, wenn warme, wasserreiche Außenluft an kalten Wänden abkühlt.
- Alert
- Eine automatische Meldung per E-Mail, sobald an einem Messpunkt über längere Zeit kritische Bedingungen bestehen.
- Schwellenwert
- Ein vorab festgelegter Grenzwert, bei dessen Über- oder Unterschreiten das System eine Meldung auslöst.
- Basisstation
- Das netzbetriebene Empfangsgerät, das die Funksignale aller Messpunkte eines Objekts einsammelt und weiterleitet.
- Obliegenheit
- Eine Verhaltensregel im Versicherungsvertrag, deren Verletzung den Versicherungsschutz ganz oder teilweise gefährden kann.
- Taupunktabstand
- Der Abstand zwischen der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt — je kleiner er ist, desto näher ist die Stelle an Kondenswasser.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
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Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.
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