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33 — Wissen

Feuchte im Wiener Gründerzeithaus: typische Stellen und was dort zu beachten ist

Das Gründerzeithaus ist robust gebaut und hat über hundert Jahre funktioniert. Seine Feuchteprobleme entstehen meist dort, wo es später verändert wurde — oder wo sich die Nutzung geändert hat, das Haus aber nicht.

Fachlich geprüft, Stand 28. September 2026. Gilt für Bestandsobjekte in Wien und Niederösterreich.

Wie ist ein Gründerzeithaus gebaut und warum ist das für Feuchte wichtig?

Das typische Wiener Gründerzeithaus, errichtet etwa zwischen 1848 und 1918, hat massive Ziegelwände, die nach unten hin dicker werden, gewölbte Kellerdecken, Holzbalkendecken in den Obergeschoßen und einen Dachboden, der ursprünglich unbeheizt war. Eine durchgehende Abdichtung gegen das Erdreich war in dieser Bauweise nicht üblich, und eine wirksame Horizontalsperre fehlt oft oder hat ihre Wirkung verloren.

Diese Häuser waren auf eine bestimmte Nutzung abgestimmt: Einzelöfen, undichte Kastenfenster, keine Bäder in den Wohnungen, wenig Feuchteeintrag und viel unfreiwilliger Luftwechsel. Heute sind die Fenster dicht, jede Wohnung hat ein Bad, die Dachböden sind ausgebaut, und die Keller werden als Lager oder sogar als Wohn- und Arbeitsräume genutzt. Die Konstruktion ist dieselbe geblieben.

Keller und Erdgeschoß: Wasser von unten

Im Kellermauerwerk und in der Sockelzone des Erdgeschoßes ist aufsteigende Feuchte ein häufiger Befund. Sie zeigt sich als Feuchterand mit Salzausblühungen darüber, oft auch als abplatzender Putz an der Stiegenhauswand im Erdgeschoß. Dazu kommt im Sommer Kondensat an den kühlen Kellerwänden, wenn warme Außenluft hereinkommt.

Für die Sanierung ist die Salzbelastung in diesem Bereich besonders wichtig. Über Jahrzehnte haben sich im Sockel Salze angereichert, die auch nach einer Horizontalsperre Feuchte aus der Luft ziehen. Wer nur die Sperre setzt und dann einen dichten Putz aufträgt, sieht die Flecken wieder.

In den Wohnungen: Laibungen, Ecken, Bäder

In den Wohngeschoßen sind die tiefen Fensterlaibungen die klassische Schwachstelle, vor allem nach dem Tausch der Kastenfenster gegen dichte Fenster. Laibung, Sturz und die oft dünnere Brüstung unter dem Fenster gehören zu den kältesten Oberflächen im Raum. Ebenso betroffen sind Außenecken, Räume zum Lichthof oder Hof mit wenig Sonne und Wandbereiche hinter Einbauschränken.

Ein Punkt, der typisch für Wien ist: Die Bäder wurden in vielen Gründerzeitwohnungen erst nachträglich eingebaut, häufig in innen liegenden Räumen ohne Fenster oder in ehemaligen Kabinetten. Die Entlüftung ist dort oft knapp bemessen, und die Feuchte verteilt sich in die angrenzenden Räume. Eine Messung im Bad und im Nachbarraum zeigt, ob sie abgeführt wird.

Typische Schwachstellen im Gründerzeithaus

  • Kellermauerwerk und Sockelzone im Erdgeschoß
  • Tiefe Fensterlaibungen, besonders nach Fenstertausch
  • Außenecken und Räume zum Lichthof
  • Nachträglich eingebaute, innen liegende Bäder
  • Balkenköpfe von Holzbalkendecken in der Außenwand
  • Anschlüsse ausgebauter Dachgeschoße an Feuermauer und Bestand
  • Fassade unter Gesimsen, Fensterbänken und bei undichten Regenrohren

Decken, Fassade und Dach: die verdeckten Stellen

Holzbalkendecken liegen mit ihren Balkenköpfen im Außenmauerwerk auf. Wird die Außenwand dort dauerhaft feucht, etwa durch Schlagregen an einer schadhaften Fassade oder durch eine später angebrachte Innendämmung, kann das Holz Schaden nehmen, ohne dass es von innen sichtbar ist. Das ist eine Frage für die fachliche Prüfung vor Ort, bevor Innendämmungen geplant werden.

An der Fassade sind Gesimse, Fensterbänke und Stuckelemente die Stellen, an denen Wasser stehen bleibt. Undichte Blechabdeckungen und Regenrohre im Hof führen zu Feuchte, die innen als Fleck an einer ganz bestimmten Stelle erscheint und nach Regen zunimmt.

Ganz oben bringt der Dachgeschoßausbau eigene Themen mit sich: Die früher kalte Dachbodendecke wird zur Zwischendecke, neue warme Räume grenzen an altes Mauerwerk und an die Feuermauer zum Nachbarhaus. An diesen Anschlüssen entscheidet sich, ob Raumluft in kalte Bauteile gelangt.

In welcher Reihenfolge wird ein Gründerzeithaus sinnvoll saniert?

Aus Sanierungssicht bewährt sich im Zinshaus eine Reihenfolge von außen nach innen und von unten nach oben. Zuerst die Wasserführung: Dach, Rinnen, Regenrohre, Gesimse und Fensterbänke. Dann die Feuchte von unten: Kellermauerwerk, Sockel, gegebenenfalls Horizontalsperre und Umgang mit den Salzen. Erst danach Maßnahmen, die das Raumklima verändern, wie Fenstertausch, Innendämmung oder Dachgeschoßausbau.

Wird diese Reihenfolge umgedreht, entstehen typische Folgeschäden. Neue dichte Fenster in einer Wohnung über einem feuchten Sockel, eine Innendämmung hinter einer schadhaften Fassade oder ein Dachausbau auf einem Mauerwerk, das von unten feucht ist, verschieben Probleme, statt sie zu lösen.

Weil viele Zinshäuser über Jahre in Etappen saniert werden, ist die Dokumentation zwischen den Etappen besonders wertvoll. Eine Messreihe vor und nach jedem Schritt zeigt, was welche Maßnahme bewirkt hat, und bleibt der Verwaltung auch dann erhalten, wenn Betriebe und Ansprechpartner wechseln.

Worauf kommt es bei der Messung im Gründerzeithaus an?

Aus der Sanierungspraxis heraus setzt San-Care im Gründerzeithaus die Messpunkte nicht in die Raummitte, sondern an die kältesten Stellen: Laibung, Außenecke, Sockel, Anschlussecke zum Dachgeschoß. Dazu kommt ein Vergleichspunkt in einem unauffälligen Raum, und straßen- und hofseitige Einheiten werden getrennt betrachtet, weil sie sich unterschiedlich verhalten.

Für das dicke Mauerwerk ist die Funkstrecke das entscheidende technische Detail. Die Messpunkte funken über LoRaWAN an eine Basisstation im Stiegenhaus; das WLAN der Bewohner wird nicht benötigt. Die Funkstrecke wird bei der Montage im Objekt abgenommen. Montiert wird mit eigenem Team, ohne Verkabelung und ohne baulichen Eingriff.

Begriffe in diesem Text

Kurz erklärt.

Bestandsgebäude
Ein bereits errichtetes und genutztes Gebäude, im Unterschied zum Neubau — meist ohne durchgehende Dokumentation seines tatsächlichen Zustands.
Aufsteigende Feuchte
Wasser aus dem Erdreich, das in einer Wand ohne wirksame Sperre durch die feinen Poren des Mauerwerks nach oben wandert.
Horizontalsperre
Eine waagrechte Sperrschicht im Mauerwerk, die Wasser aus dem Boden daran hindert, in der Wand nach oben zu steigen.
Wärmebrücke
Eine Stelle im Bauteil, an der Wärme schneller nach außen abfließt als daneben — die Oberfläche bleibt dort kälter.
Schlagregen
Regen, der vom Wind schräg gegen die Fassade gedrückt wird und dort in Putz und Mauerwerk eindringen kann.
Innendämmung
Eine Wärmedämmung, die an der Innenseite der Außenwand angebracht wird, wenn die Fassade nicht verändert werden kann oder darf.
LoRaWAN
Ein Funkstandard für kleine Datenmengen über große Distanzen bei sehr geringem Stromverbrauch.

Vollständiges Glossar

Häufige Fragen

Was dazu gefragt wird.

Nächster Schritt

Ein Objekt. Drei Monate. Dann wissen Sie es.

Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.

Antwort
rasch und persönlich
Im Gerät
keine Kamera, kein Mikrofon
Bewohner
Zustimmung vorausgesetzt
Gebiet
Wien & Niederösterreich