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30 — Wissen

Schimmel nach dem Fenstertausch: warum dichte Fenster im Altbau Feuchteprobleme sichtbar machen

Das neue Fenster ist nicht schuld am Schimmel, aber es macht sichtbar, was vorher verdeckt war. Die alte Fuge hat jahrzehntelang Feuchte abgeführt, die jetzt bleibt — und die kältesten Stellen der Wand sind dieselben geblieben.

Fachlich geprüft, Stand 28. September 2026. Gilt für Bestandsobjekte in Wien und Niederösterreich.

Was ändert sich durch dichte Fenster?

Alte Kastenfenster und einfach verglaste Holzfenster sind nie ganz dicht. Durch ihre Fugen strömt laufend Luft, ohne dass jemand ein Fenster öffnet. Dieser Fugenluftwechsel war in vielen Altbauten ein stiller, aber wichtiger Teil des Feuchtehaushalts: Die Feuchte aus Duschen, Kochen, Atmen und Wäschetrocknen ist zu einem Teil einfach durch die Fugen hinausgegangen.

Ein neues Fenster schließt diese Fugen. Das ist gewollt, denn es spart Heizenergie und hält Zugluft ab. Die Feuchte, die in der Wohnung entsteht, bleibt aber gleich. Sie muss nun aktiv über Fensterlüftung oder eine Lüftungsanlage abgeführt werden. Geschieht das nicht im nötigen Maß, steigt die Luftfeuchtigkeit im Raum.

Gleichzeitig war das alte Fenster oft die kälteste Fläche im Raum. Dort hat sich Kondensat gebildet, an der Scheibe sichtbar und harmlos, weil es abgewischt oder in die Rinne des Kastenfensters abgeleitet wurde. Das neue Fenster ist wärmer als die Wand daneben. Die kälteste Stelle im Raum ist jetzt die Laibung, die Außenecke oder der Sturz.

Wo zeigt sich der Schimmel nach dem Tausch zuerst?

In der Praxis beginnt es fast immer an denselben Stellen: an der Fensterlaibung, besonders unten und in den Ecken, am Sturz über dem Fenster, an der Außenecke des Raums und hinter Möbeln an der Außenwand. Im Wiener Gründerzeitbestand kommt hinzu, dass die Laibungen tief sind und die Brüstung unter dem Fenster oft dünner ausgeführt ist als die übrige Wand.

Ein zweiter, oft übersehener Punkt ist der Einbau selbst. Wird das neue Fenster in einer anderen Ebene gesetzt als das alte, oder wird die Anschlussfuge zwischen Rahmen und Mauerwerk nicht sorgfältig ausgeführt, entsteht eine neue Wärmebrücke oder eine Stelle, an der Raumluft in die Fuge strömt. Die Folge sind feuchte Laibungsecken, auch wenn die übrige Wohnung unauffällig ist.

Typische Stellen nach einem Fenstertausch

  • Untere Ecken der Fensterlaibung
  • Sturz über dem Fenster
  • Anschlussfuge zwischen Rahmen und Mauerwerk
  • Außenecken des Raums
  • Wandflächen hinter Möbeln an der Außenwand

Liegt es am Lüften oder am Einbau?

Meist an beidem, und genau darum gibt es nach Fenstertauschen so oft Streit. Die Bewohner verweisen auf die neuen Fenster, der Fensterbauer auf das Lüftungsverhalten. Beides lässt sich mit Messdaten sachlich auseinanderhalten.

Steigt die absolute Luftfeuchtigkeit im Raum nach dem Tausch deutlich an und baut sich nach Duschen oder Kochen nur langsam ab, fehlt Luftwechsel. Bleibt die Raumluft im üblichen Bereich, während an einer bestimmten Laibung trotzdem dauerhaft ein kleiner Taupunktabstand gemessen wird, liegt es an der Oberfläche dieser Stelle — also am Anschluss oder an der Wärmebrücke.

Hilfreich ist der Vergleich zwischen mehreren Fenstern desselben Raums oder derselben Wohnung und zwischen Räumen mit und ohne Beschwerden. Unterschiede bei gleicher Raumluft weisen auf das Bauteil hin, gleichmäßig hohe Werte auf die Nutzung oder den fehlenden Luftwechsel.

Warum trifft es manche Wohnungen und andere nicht?

Nach einem Fenstertausch im ganzen Haus bekommen selten alle Wohnungen Probleme. Das spricht nicht automatisch gegen die Fenster, sondern zeigt, wie stark mehrere Faktoren zusammenwirken. Eine Wohnung mit vier Personen, einem innen liegenden Bad und Wäschetrocknen im Wohnraum bringt deutlich mehr Feuchte in die Luft als eine Einpersonenwohnung gleicher Größe.

Dazu kommt die Lage im Gebäude. Eckwohnungen haben mehr Außenwandfläche und damit mehr kalte Ecken. Wohnungen im Erdgeschoß grenzen oft an einen kühlen Keller oder eine Durchfahrt, Wohnungen unter dem Dach an einen ehemals kalten Dachboden. Hofseitige Räume bekommen weniger Sonne, und ihre Außenwände bleiben im Winter länger kalt.

Schließlich spielt die Beheizung eine Rolle. Ein Raum, der kaum beheizt wird, etwa ein Schlafzimmer mit geschlossener Tür, hat kältere Wände als das Wohnzimmer daneben. Wandert die feuchte Luft aus Bad und Küche in diesen Raum, schlägt sie sich dort nieder. Aus der Messpraxis heraus lohnt es sich daher, nicht nur den betroffenen Raum, sondern auch einen Vergleichsraum mitzumessen.

Was hilft nach einem Fenstertausch?

Kurzfristig hilft ein angepasstes Lüften: mehrmals täglich kurz und vollständig öffnen statt dauerhaft kippen, besonders nach Duschen und Kochen. Möbel an Außenwänden sollten mit etwas Abstand stehen, damit die Wand dahinter erwärmt wird. Mittelfristig lösen eine sorgfältige Ausführung der Anschlussfuge, eine Dämmung der Laibung oder eine kontrollierte Lüftung das Problem dauerhafter.

Aus Sanierungssicht ist der beste Zeitpunkt für eine Messung der erste Winter nach dem Tausch. Dann zeigt sich, ob die neue Situation funktioniert, bevor ein sichtbarer Schaden entstanden ist. In Wien und Niederösterreich setzt San-Care dafür Messpunkte an die Laibungen und in die Raumluft, die Werte stehen laufend in der Plattform, und bei anhaltend kritischen Bedingungen wird die Verwaltung per Alert informiert.

Begriffe in diesem Text

Kurz erklärt.

Fugenluftwechsel
Der Luftaustausch, der ohne Zutun der Bewohner durch undichte Fenster- und Türfugen stattfindet.
Luftwechsel
Der Austausch der verbrauchten, feuchten Raumluft gegen frische Außenluft.
Stoßlüften
Kurzes Lüften mit ganz geöffnetem Fenster, bei dem die Raumluft schnell ausgetauscht wird, ohne dass die Wände stark auskühlen.
Luftdichtheit
Die Eigenschaft einer Gebäudehülle, keine warme Raumluft durch Fugen, Ritzen und Anschlüsse nach außen strömen zu lassen.
Wärmebrücke
Eine Stelle im Bauteil, an der Wärme schneller nach außen abfließt als daneben — die Oberfläche bleibt dort kälter.
Taupunktabstand
Der Abstand zwischen der gemessenen Temperatur und dem Taupunkt — je kleiner er ist, desto näher ist die Stelle an Kondenswasser.
Absolute Luftfeuchtigkeit
Die tatsächliche Menge Wasserdampf in der Luft, angegeben in Gramm je Kubikmeter — unabhängig von der Temperatur.
Kondensat
Wasser, das sich niederschlägt, wenn warme, feuchte Luft auf eine kältere Oberfläche trifft.
Schimmel
Ein Pilzbefall auf Bauteiloberflächen, der entsteht, wenn dort über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.

Vollständiges Glossar

Häufige Fragen

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Der Pilot ist absichtlich klein: zehn Messpunkte in einem Ihrer Objekte, drei Monate lang. Danach liegt ein Report auf dem Tisch — und Sie entscheiden mit Daten statt mit Gefühl.

Antwort
rasch und persönlich
Im Gerät
keine Kamera, kein Mikrofon
Bewohner
Zustimmung vorausgesetzt
Gebiet
Wien & Niederösterreich