73 — Wissen
Schimmel kurz nach dem Einzug: Wohnung, Vormieter oder neue Nutzung?
Für neue Mieter ist es ein Schreck, für die Verwaltung ein bekanntes Muster: Die Wohnung war bei der Übergabe frisch gemalt, und im ersten Winter kommen die Flecken. Ob das Zufall ist, lässt sich mit etwas Bauphysik und einer Messung klären.
Warum taucht Schimmel oft im ersten Winter auf?
Ein Mieterwechsel fällt häufig in eine Zeit, in der Schimmel nicht sichtbar ist: Die Wohnung steht leer, wird gemalt und im Sommer oder Herbst übergeben. Schimmel an Außenwänden entsteht aber vor allem in der Heizperiode, wenn die Oberflächen kalt sind. Die ersten Flecken zeigen sich deshalb oft Monate nach dem Einzug.
Das heißt nicht, dass die neuen Bewohner etwas falsch machen, und auch nicht, dass die Wohnung mangelhaft ist. Es heißt, dass die Bedingungen in diesem Winter an einer Stelle kritisch waren — und dass jetzt zu klären ist, warum.
Welche Ursachen kommen in Frage?
In der Praxis treten einige Muster immer wieder auf. Oft wirkt mehr als eines zusammen.
| Mögliche Ursache | Hinweise |
|---|---|
| Überstrichener Altbefall | Flecken genau an Stellen, an denen schon früher Schimmel war; Ränder schlagen durch die neue Farbe |
| Baufeuchte nach Renovierung | Neuer Putz, Spachtel oder Estrich; Feuchte im ersten Winter erhöht, danach rückläufig |
| Wärmebrücke im Bauteil | Befall an Außenecken, Laibungen, Deckenanschlüssen; gleiche Stelle eventuell auch in Nachbarwohnungen |
| Geänderte Nutzung | Mehr Personen, Wäschetrocknen, andere Heizgewohnheiten, Möbel an Außenwänden |
| Ungeheizter Leerstand im Winter vor dem Einzug | Ausgekühlte Bauteile, die nach dem Einzug erst wieder Wärme aufnehmen müssen |
Was sollten neue Mieter tun?
Den Befall mit Datum fotografieren, Lage und Größe notieren und das Übergabeprotokoll heraussuchen: Steht dort etwas zu Feuchte, Flecken oder frischem Anstrich? Dann die Hausverwaltung oder den Vermieter informieren, bevor etwas entfernt oder überstrichen wird.
Bis zur Klärung helfen die bekannten Grundregeln: Möbel an Außenwänden abrücken, gleichmäßig heizen, regelmäßig stoßlüften und Wäsche nicht in schlecht belüfteten Räumen trocknen. Das ändert nichts an einer Wärmebrücke, verringert aber das Risiko und zeigt guten Willen.
Wie geht die Verwaltung sinnvoll vor?
Für die Verwaltung ist der wichtigste Blick der in die Vergangenheit: Gab es in dieser Wohnung oder an derselben Stelle in den Wohnungen darüber und darunter schon Meldungen? Wurde vor dem Einzug renoviert, und womit? War die Wohnung länger leer und ungeheizt?
Danach braucht es Daten aus der laufenden Heizperiode. Ein Gespräch über Lüften und Heizen, ohne zu wissen, wie es an der Wand tatsächlich aussieht, endet schnell im Streit. Eine Messreihe verlagert das Gespräch von Vermutungen auf Werte, die beide Seiten sehen können.
Was eine Messung in der ersten Heizperiode zeigt
San-Care setzt in der betroffenen Wohnung typischerweise zwei bis vier Messpunkte, an der befallenen Stelle, an einer vergleichbaren Stelle ohne Befall und im Raum. Gemessen werden alle 15 Minuten Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit, daraus berechnet werden Taupunkt und Schimmelrisiko-Index. Nutzungsbedingte Feuchte zeigt sich als Tagesrhythmus mit Spitzen, die wieder abfallen; bauteilbedingte Feuchte ist an die Außentemperatur gekoppelt und hält über Tage an.
Die Werte liefern die Datengrundlage, mit der sich die Ursache sachlich eingrenzen lässt. Bewohner können auf Wunsch einen eigenen Zugang zur Plattform bekommen und sehen dann ausschließlich die eigene Wohnung. Die Messpunkte haben keine Kamera, kein Mikrofon und keine Anwesenheitserkennung; gemessen wird mit Zustimmung der Bewohner.
Für den Einstieg gibt es den Pilot (10 Messpunkte, 1 Objekt, 3 Monate Laufzeit) zu 990 € einmalig oder 390 €/Monat laut Preisübersicht; verbindlich ist das Angebot.
Begriffe in diesem Text
Kurz erklärt.
- Schimmel
- Ein Pilzbefall auf Bauteiloberflächen, der entsteht, wenn dort über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.
- Wärmebrücke
- Eine Stelle im Bauteil, an der Wärme schneller nach außen abfließt als daneben — die Oberfläche bleibt dort kälter.
- Anzeigepflicht
- Die Pflicht des Mieters, dem Vermieter Schäden ohne Verzug zu melden, deren Behebung Sache des Vermieters ist.
- Messreihe
- Eine lückenlose Folge von Messwerten über einen längeren Zeitraum — im Unterschied zur einmaligen Momentaufnahme.
- Beweissicherung
- Das Festhalten eines Zustands in einer Form, die später nachvollziehbar bleibt — bei Feuchte durch zeitgestempelte Messreihen statt durch Erinnerung.
- Mietrechtsgesetz (MRG)
- Das österreichische Gesetz, das für viele Mietwohnungen Mietzins, Erhaltung und Rechte und Pflichten von Mieter und Vermieter regelt.
Häufige Fragen
Was dazu gefragt wird.
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